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Segeltörn Sardinien 2014 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Heike Lammert   
Samstag, den 08. November 2014 um 16:46 Uhr

Segeltörn entlang der Südküste Sardiniens im September 2014

Costa del Sud, Sardegna

Ja, wir haben es getan. Wir sind fremd gegangen. Sowohl unserem Segelschiff „Asteri“ als auch unserem geliebten Segelrevier Ionisches Meer sind wir untreu geworden. Unseren diesjährigen längeren Segeltörn haben wir mit einem befreundeten Ehepaar aus Deutschland auf deren Segelschiff „Pegasus“, welches in einer Marina in Cagliari im Süden Sardiniens liegt, unternommen.

Sardinien, in der Landessprache „Sardegna“, ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Die zu Italien gehörende Insel hat eine Fläche von etwa 24.000 Quadratkilometern und zählt rund 1,6 Millionen Einwohner. Sardinien ist ca. 270 Kilometer lang und ca. 145 Kilometer breit. Sie liegt rund 200 Kilometer vom italienischen Festland entfernt, bis zur französischen Insel Korsika im Norden sind es hingegen nur 12 Kilometer, nur durch die Straße von Bonifacio getrennt. Hauptstadt Sardiniens ist die Hafenstadt Cagliari im Süden der Insel.

Wir, das sind Thomas und Heike, fliegen am 5. September 2014 mit Ryanair von Araxos auf dem Peloponnes nach Bergamo, nahe Mailand, in der Lombardei in Italien. Am Abend erkunden wir die alte Oberstadt, die „Città Alta“ von Bergamo und essen bei „Da Franco“ die bislang beste Pizza unseres Lebens. Die Nacht schlagen wir uns am Flughafen um die Ohren. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass unser Anschlussflug von Bergamo nach Alghero im Nordwesten von Sardinien ersatzlos gestrichen wurde. Nach einem Moment der Verwirrung werden wir dann auf die Maschine nach Cagliari umgebucht. Das kommt uns sogar sehr entgegen, denn unser Ziel ist Cagliari und wir sparen daher Zeit und Geld für den Bus. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Hafenstadt. Da es hier eine Vielzahl von Marinas gibt und wir überhaupt nicht ortskundig sind, werden wir am zentralen Busbahnhof von unseren Freunden abgeholt und machen uns gemeinsam auf den Weg zur Marina „Sant’Elmo“. An Bord der „Pegasus“ wird erst mal das Wiedersehen gefeiert und wir schauen uns das Schiff an. Die knapp elf Meter große Phantom 34 ist schon gute vierzig Jahre alt, scheint aber recht gut in Schuss zu sein. Das Schiff hat einen gewissen Charme, mit viel Holz, hohem Aufbau und einem großen Cockpit. Bug- und Heckkorb sind ein wenig überladen. Bevor wir die Segeleigenschaften prüfen, besichtigen wir erst mal die Altstadt von Cagliari, die „Castello“ genannt wird und auf einem Hügel liegt. Von hier hat man einen fantastischen Ausblick über den Golf von Cagliari. Das Abendessen wird aus der Schiffskombüse geliefert. Bei dem einen oder anderen Glas Wein und guten Gesprächen lassen wir den Abend ausklingen.

Am nächsten Morgen starten wir zu unserem Törn. Ein bestimmtes Ziel haben wir nicht, wir lassen den Wind entscheiden. Wir verlassen die Marina, setzen die Segel und nehmen Kurs Richtung Süden. Bei halbem Wind kommen wir ruhig aber recht zügig voran, das Schiff zeigt sich von seiner besten Seite und hat allem Anschein zum Trotz sehr gute Segeleigenschaften. Am späten Nachmittag erreichen wir nach etwa sechzehn Seemeilen unser erstes Etappenziel namens Perd’e Sali. Wir ankern vor dem Sandstrand neben dem Hafen und verbringen einen gemütlichen Abend an Bord. Um Mitternacht stoßen wir an, unsere Freundin hat Geburtstag.

      


Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, nehmen wir das Dingi und gehen im Hafen an Land. Der Yachthafen Perd’e Sali gehört zur Stadt Sarroch. Es ist wenig los, die Saison ist definitiv zu Ende. Leider gibt es nur sehr begrenzte Versorgungsmöglichkeiten. Wir schlendern durch den Ort, der eigentlich nur aus Ferienhäusern und Appartements besteht, und suchen vergebens einen Supermarkt. Am Hafen trinken wir einen Kaffee und kehren zurück zum Schiff, heben den Anker, ziehen die Segel hoch und setzen unseren Törn Richtung Süden fort. Wir haben nur einen schwachen Wind, daher setzen wir uns ein kurzes Etappenziel. Nach der kleinen Insel San Macario steuern wir Nora an. Nach etwa vier Seemeilen ankern wir vor dem feinsandigen Strand direkt vor der Kirche Chiesa di ant‘ Efisio di Nora. Links von uns können wir auf die Ruinenstadt blicken. Die archäologischen Überreste können besichtigt werden. Nora ist vermutlich die älteste Stadt auf Sardinien und wurde von den Phöniziern gegründet. Im frühen Mittelalter wurde die Stadt wegen der Piratenüberfälle aufgegeben. Wir gehen an Land, trinken ein kühles Bier und erkunden zu Fuß die nähere Umgebung. Nora ist eines der beliebtesten Ferienziele an der sardischen Südküste. Verständlich, denn  Strand und Landschaft sind wirklich sehr schön. Da unsere Vorräte zur Neige gehen, fahren wir mit dem Bus in das vier Kilometer entfernte Städtchen Pula. Die beschauliche Stadt zählt etwa 7.300 Einwohner. Man findet hier verwinkelte Gassenzüge, alte Patrizierhäuser, Restaurants und natürlich gute Einkaufsmöglichkeiten. Am Abend gehen wir im Restaurant am Strand von Nora essen und feiern den Geburtstag unserer Freundin. Den Abend lassen wir bei Vollmond und einer sternenklaren Nacht mit einem Glas Wein an Bord ausklingen.

Wir setzen unseren Törn entlang der Costa del Sud fort. Auch heute haben wir leider nur einen mäßigen Wind. Unser heutiges Ziel heißt daher Santa Margherita di Pula. Der Strand gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Badeziele im Süden Sardiniens, der Sand ist sehr hell und fein, das azurblaue flache Wasser lädt zum Baden und Entspannen ein. Der kilometerlange Sandstrand wird durch einen Pinienhain und zahlreichen Hotel- und Ferienhausanlagen von der Hauptstraße getrennt. Hier gibt es neben der Costa Smeralda einige der exklusivsten Ferienanlagen der Insel. Nach einer Etappe von etwa sieben Seemeilen ankern wir direkt vor dem schönen Sandstrand. Wir gehen an Land und laufen mehrere Kilometer entlang der Ferienanlagen, immer auf der Suche nach einem Supermarkt. Einen Supermarkt finden wir nicht, dafür aber eine gemütliche Bar direkt am Strand.

Am nächsten Morgen hängen Wolken über uns. Wir setzen Kurs Richtung Südwesten. Am Capo Spartivento setzen wir dann Kurs Richtung Westen. Es beginnt zu regnen, unsere Stimmung bleibt dennoch gut. Da wir immer in Küstennähe segeln, entdecken wir einige sehr schöne Buchten, Landzungen und Strände mit kristallklarem Wasser, z.B. den Strand Tuerredda, ein kleines Paradies. Nachdem wir das Capo Malfatano passiert haben, setzen wir Kurs Richtung Nordwesten, wieder beginnt es zu regnen. Unser Ziel ist Porto Tramatzu beziehungsweise die Marina di Teulada, die wir nach etwa fünfzehn Seemeilen erreichen. Sie liegt in einer unberührten Natur. Die Marinas sind auf Sardinien bzw. in Italien recht teuer. Dennoch beschließen wir in die Marina zu gehen, da das Energiemanagement an Bord noch nicht optimal ist und sämtliche Batterien und Akkus fast leer sind. Zudem freuen wir uns auf eine warme Süßwasserdusche. Die Ansteuerung ist leicht. Wir bekommen einen Liegeplatz mit Mooring-Leinen zugewiesen. Auch hier bemerken wir, dass die Saison vorüber ist. Es ist sehr wenig los und die Versorgungsmöglichkeiten sind begrenzt. Einen Supermarkt soll es auf dem benachbarten Campingplatz geben. Wir hoffen inständig, dass dieser noch geöffnet hat, denn die Vorräte gehen nun wirklich zur Neige. Nächste Einkaufsmöglichkeiten gäbe es dann nur in der acht Kilometer entfernten Stadt Teulada, die Busverbindungen sind aber sehr beschränkt. Die Regenwolken haben sich verzogen und die Sonne scheint. Wir schlendern über den Campingplatz und finden tatsächlich einen gut sortierten Minimarkt und eine Bar, an der wir nicht vorbei gehen können. Anschließend genießen wir den „Luxus“ einer ordentlichen, warmen Dusche in der Marina. Den Abend verbringen wir wie gewohnt bei Wein und guten Gesprächen an Bord.

Schon sehr früh brechen wir am nächsten Tag auf. Weiter Richtung Westen können wir nicht segeln, da sich hier ein Militärgebiet befindet. Also setzen wir Kurs nach Südosten und treten den Heimweg Richtung Cagliari an. Am Capo Spartivento setzen wir Kurs Richtung Nordosten. Wetter und Wind sind fantastisch und wir kommen sehr zügig voran. Wieder einmal sind wir überrascht von den guten Segeleigenschaften der „Pegasus“. Am Nachmittag dreht der Wind auf Nord. Daher beschließen wir, nicht nach Cagliari zu segeln sondern noch ein Stück weiter Richtung Osten auf das Kap Sant’Elia zu. Hinter dem Kap liegt der kilometerlange Poetto-Strand. Nach rund 40 Seemeilen ankern wir vor dem Strand, ganz in der Nähe der Marina Piccola. Es war ein superschöner Segeltag.

Am nächsten Morgen gehen wir in der Marina an Land. Während die Männer nochmals „shoppen“ gehen, gönnen wir Mädels uns ein frisch gezapftes Glas Bier. Gegen Mittag heben wir ein letztes Mal den Anker und setzen die Segel. Es geht zurück in die Marina Sant‘ Elmo in Cagliari.

Die letzten zwei Tage verbringen wir auf dem Schiff in der Marina. Es stehen Wartungs- und Reparaturarbeiten an, es werden zusätzliche Solarpanels angeschlossen um das Energiemanagement zu optimieren und das Schiff wird „entrümpelt“. Unser Freund möchte in wenigen Tagen Sardinien verlassen und Richtung Westen mit Ziel Kanaren segeln. Im kommenden Winter oder Frühjahr möchte er dann von dort aus den Atlantik überqueren und in die Karibik segeln. Wir wünschen jetzt schon „Mast- und Schotbruch“!

Am Montagmorgen heißt es Abschied nehmen. Thomas und ich fahren mit dem Bus von Cagliari in das 250 Kilometer entfernte Alghero im Nordwesten von Sardinien. Nun sehen wir ein wenig von der Insel. Die Natur auf Sardinien scheint noch intakt zu sein, die Landschaft ist abwechslungsreich und die Fauna und Flora einzigartig. Im Inneren der Insel dehnen sich grandiose Gebirgslandschaften aus. Und überall, soweit das Auge reicht, immergrüne Macchiasträucher. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Flughafen Alghero. Unser Flug nach Bergamo mit Ryanair geht am frühen Abend. In Bergamo angekommen gehen wir nochmal Pizza essen, diesmal nicht ganz so gut wie bei „Da Franco“, aber trotzdem lecker. Abermals schlagen wir uns am Flughafen die Nacht um die Ohren. Am nächsten Morgen fliegen wir weiter nach Araxos, unserem Heimatflughafen auf dem Peloponnes.

       

Schlusswort:

Es war ein schöner Segeltörn. Das Segeln an sich war fantastisch, aber auch die Seemannschaft war sehr gut. Wir haben einige wunderbare Tage gemeinsam verbracht. So schön wie die Südküste Sardiniens auch ist, eines habe ich im Vergleich zum Ionischen Meer mit seiner vielfältigen Küsten- und Insellandschaft schmerzlich vermisst. Es sind die kleinen Natur- und Fischerhäfen mit diesem besonderen mediterranen Flair und mit ihren malerischen Dörfern, in denen das Leben pulsiert.   

Weitere Fotos findet Ihr in unserer Fotogalerie.


Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 08. November 2014 um 18:29 Uhr