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Delphi und Metéora-Klöster 2014 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Heike Lammert   
Sonntag, den 09. November 2014 um 00:00 Uhr

Reisebericht: Antike Delphi und die Metéora-Klöster in Griechenland im September 2014


Sowohl die Metéora-Klöster, erbaut hoch oben auf Sandsteinfelsen, als auch das Antike Delphi, Heimat des berühmten Orakels, gehören zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Im September 2014 unternehmen wir von unserer Heimatstadt Amaliada im Westen des Peloponnes eine dreitägige Tour nach Delphi in Mittelgriechenland und zu den Metéora-Klöstern bei Kalambaka in Thessalien. Unser Route führt uns zunächst Richtung Norden über Patras und die Brücke Rio-Andirrio auf das Festland. Die Brücke, der offizielle Name lautet  Charilaos-Trikoupis-Brücke, erregte lange Zeit großes Aufsehen, weil man nicht glaubte, dass eine knapp drei Kilometer lange Brücke erdbebensicher gebaut werden könnte. Kurz vor den Olympischen Spielen in Athen 2004 wurde die Schrägseilbrücke eröffnet. Sie wird von vier Pylonen getragen und hält Erdbeben der Stärke sieben stand. Es ist ein imposantes Bauwerk.

Unseren ersten Zwischenstopp machen wir in der westgriechischen Hafenstadt Nafpaktos am Eingang zum Golf von Korinth. Besonders sehenswert sind der venezianische Hafen mit dem Cervantes-Denkmal, welches an die blutige Seeschlacht von Lepanto erinnert, die das Ende der türkischen Vorherrschaft einleitete, und die Burg oberhalb der Stadt. Das beschauliche Städtchen lädt zum Verweilen ein.

     
Brücke Rio-Andirrio bei Patras                                                                  Hafen Nafpaktos

Wir setzen unseren Weg Richtung Osten fort, zunächst entlang der Küste bis Itéa, dann in Richtung Berge. Nach gut zweihundert Kilometern und drei Stunden Fahrtzeit erreichten wir die antike Stadt Delphi, die vor allem für ihr Orakel bekannt ist. Die Ruinenstadt liegt in einer Höhe von 700 Metern, am südwestlichen Fuß des Bergmassivs Parnass. Beeindruckend ist vor allem die landschaftliche Schönheit. Die antiken Sehenswürdigkeiten sind für mich weniger beeindruckend. So wurden vom Apollon-Tempel, dem Sitz des Orakels, lediglich sechs der ursprünglichen 38 dorischen Säulen wieder aufgerichtet. Wenn man das Antike Theater von Epidauros kennt, so kommt einem das Theater von Delphi als nicht besonders sehenswert vor. Dennoch ist der Besuch der Ausgrabungsstätten lohnenswert, nicht zuletzt auf Grund der Geschichte, galt Delphi doch den Menschen der Antike als der Mittelpunkt der Welt. Der Mythologie zufolge ließ Zeus zwei Adler von je einem Ende der Welt aufsteigen. Sie trafen sich in Delphi, der exakte Ort wurde durch den Omphalos, dem „Nabel“, angezeigt. Das Orakel von Delphi war dem Apollon geweiht. Es gilt als das wichtigste Orakel im antiken Griechenland und hatte einen enormen Einfluss. Vor allen wichtigen Unternehmungen, zum Beispiel vor Kriegen, wurde es befragt und entwickelte sich damit zu einem wichtigen politischen Faktor. Als Medium diente die weissagende Priesterin Pythia, die als einzige Frau den Apollon-Tempel betreten durfte. Sie versetzte sich wahrscheinlich durch die Inhalation von Gasen, die aus einer Erdspalte austraten, in Trance und verkündete dann ihre Prophezeiungen, die manchmal recht rätselhaft formuliert waren.

               
Delphi - Omphalos-Stein                               Delphi - Apollon-Tempel                    Delphi  -  Schatzhaus der Athener

Nach der Besichtigung von Delphi setzen wir unsere Reise Richtung Norden mit Ziel Kalambaka in Thessalien fort. Die 250 km lange Streckte führt uns durch riesige Baumwollfelder. In Lamia, Hauptstadt von Mittelgriechenland, machen wir eine kurze Pause, anschließend setzen wir unseren Weg, der fast endlos erscheint, fort. Dann, schon weit vor der Stadt Kalambaka, tauchen die imposanten Metéora-Felsen vor uns auf. In Kalambaka beziehen wir zunächst unser Hotel, gönnen uns ein kühles, frisch gezapftes Bier und schlendern ein wenig durch die Stadt, die fast ausschließlich von der Vermarktung der Metéora-Klöster lebt. Besondere Sehenswürdigkeiten besitzt die gepflegte Stadt ansonsten nicht.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg um die Metéora-Klöster zu besichtigen. Das Besondere ist, dass die Klöster hoch oben auf den Sandsteinfelsen erbaut wurden. Der Name leitet sich ab von dem griechischen Wort μετεωρoς und bedeutet „in der Luft schwebend“.  Je nach Wetterlage sieht es in der Tat manchmal so aus, als wenn die Klöster über den Felsen schweben. Die gesamte Anlage besteht aus 24 einzelnen Klöstern und Eremitagen, von denen heute nur noch sechs bewohnt sind beziehungsweise besichtigt werden können. Die restlichen achtzehn Klöster sind entweder zu schwer zu erreichen oder wurden wegen Einsturzgefahr verlassen. Die ersten nachgewiesenen Einsiedeleien gibt es seit dem 11. Jahrhundert. Im Laufe der Jahre wuchsen diese Einsiedeleien zu einer organisierten Gemeinschaft nach Vorbild des heiligen Berges Athos zusammen und bildeten das Kloster Doúpiani, welches heute nicht mehr erhalten ist. Mit der Ankunft des von Athos geflohenen Mönches Athanasios im Jahr 1334 begann der Aufstieg des Klosterlebens in der Region. Zusammen mit seinem geistlichen Ziehvater Gregorios und 14 weiteren Mönchen gründete er 1344 das Kloster Metamórphosis, auch bekannt als Megálo Metéoro. Athanasios stellte die in Metéora gültigen Regeln des Klosterlebens auf und wurde nach seinem Tod als Athanasios Meteorites seliggesprochen. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurden weitere Klöster errichtet und die Anlagen durch fromme regionale Herrscher wie König Symeon finanziell und durch die Gewährung von Privilegien unterstützt. Im Laufe der Jahre entstanden so etliche Klöster und Einsiedeleien, deren Gründer nur zum Teil namentlich bekannt sind.

Die sechs noch zu besichtigenden Klöster liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Die Straßen sind gut ausgebaut. Von Kalambaka geht es Richtung Norden nach Kastraki. Nur wenige hundert Meter hinter Kastraki erscheint das erste Kloster Agios Nikólaos Anapavás. Es ist ein spektakulärer Bau, die Felsen gehen direkt in das Bauwerk über. Es entstand im 14. Jahrhundert, zunächst nur als Kirche, später dann als Kloster. Die alte Kirche mit ihren Wandmalereien ist zum Teil noch erhalten. Das Kloster ist heute noch bewohnt und kann besichtigt werden. Über eine neuzeitliche, steile Steintreppe gelangt man zu dem Kloster.

     
Kalambaka, Metéora                                                                          Kloster Agios Nikólaos Anapavás  

Da wir uns keinen Stress machen wollen um alle Klöster an einem Tag zu besichtigen und der Aufstieg zum Kloster recht beschwerlich ausschaut, verzichten wir auf die Besichtigung und setzen unseren Weg fort. Wir halten an zahlreichen Aussichtspunkten  mit sensationellen Ausblicken auf die Klöster, die Felsen, die Ebene und auf Kalambaka. Vorbei an den Klöstern Rousánou und Varlaám führtg uns die Straße zum Kloster Metamórphosis, welches auch unter dem Namen Megálo Metéoro bekannt ist. Der Gebäudekomplex ist mit etwa 60.000 m² das größte der Metéora-Klöster. Es liegt 613 m über dem Meeresspiegel und ist noch immer von Mönchen bewohnt. Seinen Namen Metéoro, der „Schwebende“, erhielt der Fels vom Gründer des Klosters, dem Mönch Athanasios. Bis zum Jahr 1923 war das Kloster nur über Strickleitern bzw. eine Seilwinde mit Netz zu erreichen. Heute führen eine Steintreppe mit 143 Stufen und ein Tunnel in den Gebäudekomplex. Vom Parkplatz aus, gut gefüllt mit großen Reisebussen und Besuchern aus aller Welt, hat man einen eindrucksvollen Blick auf die Klosteranlage, auf das benachbarte Kloster Varlaám und die Felsenlandschaft. Der Eintritt beträgt lediglich 3,- €. Die Anlage wurde sehr schön und liebevoll restauriert und alles sieht sehr ordentlich und gepflegt aus. In der Hauptkirche sind Fresken aus dem Jahr 1552 erhalten. Die Kirche ist nicht besonders groß und recht dunkel. Dennoch ist sie sehr sehenswert. Obwohl hier viele Besucher sind, strömt der Ort Ruhe und Frieden aus. Leider haben es manche Leute noch immer nicht begriffen, dass das hier ein religiöser Ort ist. Man sollte das Verbot zu fotografieren und die strengen Kleidervorschriften respektieren. Viele Bereiche der Anlage sind öffentlich und können besichtigt werden. Auch die Außenanlagen laden zum Verweilen ein. Es gibt auch ein sehr schönes Museum mit wertvollen alten Schriften, religiösen Gegenständen von unschätzbarem Wert, ausführlichen Dokumentationen über die Klostergeschichte, aber auch volkstümliche Ausstellungsstücke. Tief beeindruckt verlassen wir das Kloster. Souvenirs sollte man übrigens im Kloster und nicht an den vielzähligen Ständen auf dem Parkplatz erstehen.

     

Kloster Metamórphosis (Megálo Metéoro)                                                  Kloster Varlaám

 

Das Kloster Varlaám schauen wir uns lediglich aus der Ferne an. Es stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das zunächst als Einsiedelei gegründete Kloster ist noch bewohnt. Nach dem Tod des ersten Einsiedlers blieb das Gelände zunächst einige Jahre ungenutzt. 1518 wurde mit dem Bau des Klosters begonnen. Die Stifter des Baus legten testamentarisch die zönobitische Lebensweise fest. Ein Reisender aus dem Jahr 1779 vermerkte in seinem Reisebericht, dass seit Bau des Klosters keine Frau mehr den Ort betreten habe.

Die nächste Station unserer Reise ist das Kloster Agia Triáda, die „Heilige Dreifaltigkeit“. Auch dieses ist ein spektakuläres Bauwerk, erlangt e aber weltweite Bekanntheit als Schauplatz für den James Bond Film „In tödlicher Mission“.  Das Kloster wurde wahrscheinlich zwischen 1458 und 1476 gebaut. Genauere Daten sind nicht überliefert. Die Anlage ist noch immer bewohnt. Ursprünglich war der Zugang nur über Seilwinden und Strickleitern möglich. Erst seit 1925 gibt es eine Treppe. Die Kirche ist mit Fresken ausgemalt, die aus dem Jahre 1741 datieren, alle noch im Original erhalten und wunderschön. Bemerkenswert ist auch ein Evangelia mit einem silbernen Deckel aus Venedig aus dem Jahr 1539. Der Weg zum Kloster scheint uns sehr anstrengend zu sein und wir verzichten auf die Besichtigung.

   

Wir setzen unsere Tour fort und fahren zum Kloster Agios Stéphanos. Das etwa 1400 gegründete Kloster wird ebenfalls noch bewohnt. Die Besiedlung des Felsens ist wohl älter. Bis 1927 war eine Inschrift erhalten geblieben, die auf eine Einsiedelei im Jahr 1192 schließen lässt. Das Kloster trägt den Beinamen „das Königliche“, was auf einen Besuch des byzantinischen Kaisers Andronikos III. im Jahre 1333 zurückgeht. Der Herrscher soll von der Gastfreundschaft der Mönche so angetan gewesen sein, dass er dem Kloster großzügige Spenden in Form von Geld und Ländereien zukommen ließ. Im 19. Jahrhundert lebten noch mehr als 30 Mönche im Kloster, mit abnehmender Tendenz. Im Jahr 1960 war es praktisch verlassen und wurde 1961 in ein Frauenkloster umgewandelt. Sehenswert sind der Bischofsthron und die Pulte für Gesangbücher, die mit Perlmutteinlagen verziert sind. Das Kloster ist einfach zu erreichen, man kann fast bis zum Eingang mit dem Auto vorfahren und es gibt ausreichende Parkmöglichkeiten. Vom Kloster aus hat man eine sehr schöne Aussicht über die Ebene, auf Kalambaka und auf das benachbarte Kloster Agia Triada. Leider ist das Kloster, heute ist Montag, geschlossen.

In der Mittagszeit legen wir eine kleine Pause ein und fahren zum „Eagle’s Nest“, einem Restaurant hoch oben in den Bergen mit einem Panoramablick über die Meteora-Felsen. Leider ist die Sicht nicht sehr klar, dennoch ist es ein lohnenswerter Abstecher.

Wir setzen unsere Tour mit der Besichtigung des Klosters Rousánou fort. Das noch bewohnte Kloster wurde laut Überlieferung im Jahre 1388 gegründet, andere Quellen sprechen sogar von 1288.  Der historische Nachweis für diese Angaben steht aber aus. Bekannt ist, dass die Mönche hier in einem zönobitischen System lebten. Nach vielen Überfällen und Plünderungen, die im Laufe der Geschichte erfolgten, sowie konstantem Niedergang, wurde Rousánou 1940 zunächst aufgegeben. Die noch verbliebenen Handschriften und Wertgegenstände wurden in das Kloster Megálo Metéoro verbracht. Bereits 1950 gab es erste Bestrebungen, die Anlage zu erhalten und wieder zu nutzen. Heute ist Rousánou ein Frauenkloster. Sehenswert sind die Fresken aus dem 16. Jahrhundert.  Auch dieses Kloster ist so etwas wie ein Wahrzeichen der Meteora-Klöster. Das liegt an der Lage des Klosters. Auf einem Felsen im Tal gelegen kann man es von vielen Stellen aus sehen. Die Lage ist schon sehr spektakulär. Auch hier beträgt der Eintritt 3,- €, die wir gerne bezahlen.

     

Kloster Agios Stéphanos                                                                   Klosters Rousánou  

Am Abend gehen wir im Restaurant „Meteora“, einem guten traditionellen Restaurant in Kalambaka, essen. Wir dürfen eine gute griechische Küche genießen und lassen den Tag Revue passieren, immer noch tief bewegt von den Eindrücken des Tages. Die Felsformationen an sich sind schon interessant und ein kleines Naturwunder. Die Klöster hoch oben auf den Felsen machen das Highlight perfekt. Heute sind die Klöster gut zugänglich, es wurden Straßen und Brücken gebaut. Als die Klöster erbaut wurden gab es weder Brücken, noch Straßen oder entsprechende Transportmittel. Eine atemberaubende Leistung.

Am dritten Tag treten wir die Rückreise an. Nach dem Frühstück starten wir Richtung Südwesten. Unser Weg führt uns über Arta, Amfilochia, die Brücke Rio-Andirrio und Patras zurück nach Amaliada. Nach etwa 450 Kilometern und sechs Stunden Fahrtzeit sind wir am Ziel. Insbesondere die Metéora-Klöster werden für uns immer ein unvergessliches Erlebnis bleiben.  

Aktuelle Öffnungszeiten der Metéora-Klöster (Stand: September 2014):

Agios Nikólaos Anapavás    täglich von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr, dienstags geschlossen
Rousánou                        täglich von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr, donnerstags  geschl.
Varlaám                          täglich von 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr, freitags geschlossen
Metamórphosis                 täglich von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr, mittwochs geschlossen
Agia Triáda                      täglich von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr, freitags geschlossen
Agios Stéphanos               täglich von 9:00 Uhr bis 13:30 Uhr und 
                                     von 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr, montags geschlossen

 

Weitere Fotos findet Ihr in unserer Fotogalerie.


Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. Februar 2015 um 14:08 Uhr